Allein im Land der Elche..


Auf den Spuren der Elche & Abschied von Schweden

26.12.2008

 

 Als die Klausuren alle geschrieben und die letzten Essays eingereicht waren, haben Gunnar, Maiky und ich uns am  vergangenen Mittwoch nach Vargön aufgemacht, einem kleinen Dorf in der Gemeinde Vänersborg am Vänern, Schwedens größtem See und Europas größtem Trinkwasserreservoir. Vargön ist mit seinen nicht ganz 5.000 Einwohnern ein verschlafenes, kleines und nicht besonders sehenswertes Dörfchen (zum Vergleich: Hösel hat knapp 9.000 Einwohner), ja es liegt nicht einmal an der Küste des Sees. Dafür hat es aber den charmanten Vorzug, zwischen den beiden Tafelbergen Halleberg und Hunneberg zu liegen, die zusammen den Ekopark Halle-Hunneberg bilden und für ihre unberührte Natur und reiche Elchpopulation bekannt sind:

 

 

Auf dem Hunneberg befinden sich außerdem die königlichen Jagdgründe, die wir uns am ersten Tag natürlich direkt ansehen wollten. Im königlichen Jagd- und Elchmuseum konnte man sich dann noch genauer über die Gewohnheiten der Elche informieren und sich in typische Kontakt- und Brunftrufe einweisen lassen, die zu beherrschen die Wahrscheinlichkeit auf Elche zu treffen angeblich enooorm steigert.
Ganz Pfadfinderin hat Maiky dann auf unserem Weg über den Hunneberg fleißig geübt - leider ohne nachhaltigen Erfolg.

Am zweiten Tag haben wir dann den Halleberg unsicher gemacht - etwa 20 km durch urtümliche, unberührte, sumpfige Wälder, bis an den nördlichen Rand des Tafelberges mit Ausblick von der Steilklippe auf den Vänersee.

 

 

Freitag Morgen sind wir dann schon wieder nach Göteborg zurückgefahren. Schön war's und zu kurz! Nächstes Mal würde ich gern mehr Zeit an (oder direkt auf) dem See verbringen, statt 6 Stunden durch Schlamm zu waten, um einen 20 minütigen Ausblick darauf zu genießen.

 

Nachdem ich Freitag dann noch in aller Eile einige wichtige letzte Besorgungen erledigt hatte, die ich in der Hektik der letzten Tage vergessen hatte (letzte Souvenirs erstehen, mich von der Chalmers abmelden, Bücher zurückgeben), kamen Samstag Max und Marion an, um mit mir in Rekordzeit den Inhalt meines Zimmers in vier Umzugskartons zu verpacken und um 2 Uhr nachts die 10-stündige Rückfahrt über den Öresund nach Deutschland anzutreten.

 

Ich habe mich auf deutsches Brot gefreut, deutsches Bier, auf meine Familie und Freunde. Ich dachte, ich hätte mich auch darauf gefreut, wieder problemslos jeden zu verstehen, aber als ich dann über den Aachener Weihnachtsmarkt ging, musste ich mich dabei erwischen mir zu wünschen, all die lauten, schwatzenden, plappernden Leute nicht zu verstehen..
Die vergangenen 4 Monate werden mir als Besondere in Erinnerung bleiben - wegen all dessen, was ich über die Schweden, ihr Land, ihre Kultur und ihr Selbstverständnis, vorallem aber auch über mich selbst gelernt habe, wegen all der Erfahrungen, die ich gemacht und Freundschaften, die ich geschlossen habe.

Ich freu mich, wieder bei euch zu sein!

 

 

Deutsch, Schwedisch, Libanesisch

13.12.2008

 

Der deutsche Advent war ein voller Erfolg - auch wenn ich allein für die Spätzle sage und schreibe anderthalb Stunden in der Küche stand! Statt Geschnetzeltem gab's dazu kleine Kalbsfilets, ich habe mich an einer Soße (aus mit Weisswein gelöschtem Bratsud, Zwiebeln, Champignons und Creme Fraiche mit Petersilie) versucht und zum Nachtisch hat Gunnar statt Bratäpfeln Milchreis gemacht. Mittwoch gab es direkt die nächste Episode dieser allwöchentlichen Kochaktionen: Libanesisch, unter anderem Auberginenmus (Baba ghanoush), Salat aus frischer Petersilie (Tabouleh) und Kafta (wie Frikadellen, nur mit Petersilie).

 

 

Ansonsten gibt es leider nicht viel spannendes zu berichten, da ich zur Zeit ganz gut mit meinen Aufsätzen, Präsentationen und Klausurvorbereitungen zu tun hab und zwischendurch einfach jede freie Minute mit den Leuten hier verbringe - sind schließlich nur noch 8 Tage. Gestern zum Beispiel gab es nochmal eine Fika (typisch schwedisches Kaffeetrinken) mit Kanelbullar und Glögg mit Mandeln bei Anna und anschließend typisch deutsches Grünkohlessen bei Bekannten. Naja, auf manche Dinge könnte ich im Schwedenurlaub eigentlich auch ganz gut verzichten - Grünkohl gehört dazu.

 

Für diejenigen unter euch, die sie noch nicht kennen, aber vielleicht interessieren, hier die Essays die ich schreiben musste:



Das erste ist ein Essay über Bildgebung von Tumorgewebe mit Quantenpunkten (in vivo), der zweite über die elektrischen Eigenschaften von "Nanoropes", also Strängen aus Kohlenstoffnanoröhrchen. Ich hab mir sagen lassen, den ersten könnte man ganz gut lesen, den zweiten finde selbst ich langweilig.

 

Ich werd dann jetzt mal noch ein bißchen für die Klausur Dienstag lernen, damit ich heute Abend ohne schlechtes Gewissen auf's Konzert gehen kann!

 

Euch allen ein schönes drittes Adventwochenende!

 

 

Advent in Schweden

01.12.2008

 

 Dank Mini-Adventskranz konnte ich gestern stilecht in den ersten Advent starten:

 Abends war ich dann bei Schweden eingeladen, mich mit ihnen auf typisch schwedische Art auf Weihnachten einzustimmen.

"Typisch schwedisch" hieß in dem Fall: süßer Milchreis mit Zimt und Zucker, Pepparkakor (also Pfefferkuchen), den man sich mit Roquefort belegt (seltsame Kombination, aber sie funktioniert tatsächlich) und Glögg (wie Glühwein, nur süßer), den man nach Geschmack mit ganzen Mandeln und Rosinen würzt.

In trauter Runde erzählte die Gastgeberin dann, dass viele Traditionen im Zusammenhang mit Weihnachten aus Deutschland kämen: der Glühwein, Milchreis (verbindet das einer von euch mit Weihnachten?), der Tannenbaum und sogar der Weihnachtsmann. In Schweden bringt nämlich eigentlich der Julbock die Geschenke:

 Völlig unbekannt dagegen scheinen Adventskranz und -kerzen zu sein. Deswegen plane ich am Wochenende nach diesem ersten schwedischen Advent einen deutschen zweiten Advent, mit meinem kleinen Adventskranz und Zimsternen, typisch deutschem Essen (selbstgemachte Spätzle und Kalbsgeschnetzeltes in Pfefferrahmsoße) und Bratäpfeln zum Nachtisch. Hoffe das kommt bei allen so gut an wie Pfefferkuchen mit Schimmelkäse!

 

 

 

Besuchswoche

25.11.2008

 

4 Wochen bevor Sarah und ich beide wieder nach Hause zurückkommen, haben wir endlich Zeit gefunden um uns gegenseitig zu besuchen!

Von Mittwoch bis Freitag habe ich Sarah Göteborg und meine Uni gezeigt und wir sind auf Donsö rausgefahren, eine der Schäreninseln, die ich noch nicht kannte.

 

Donsö war wunderschön, genauso wie man sich Schweden vorstellt: Heide, wilde Steinlandschaften, Birken und Nadelbäume neben Preiselbeersträuchern an wasserumspülten Ufern und dazu die Sonne, die zwischen den Wolken langsam im Meer untergeht - und das alles nur 10 Minuten von Göteborg entfernt.

 

Samstag gab es dann, nachdem wir trotz gecanceltem Flug Freitag noch irgendwie nach Helsinki und von dort am nächsten Morgen mit der Fähre nach Tallinn (der Hauptstadt von Estland) gekommen sind, das Kontrastprogramm zum vergleichsweise herbstlichen Schweden: Minusgrade und Schnee.

Wir haben unser Sight-Seeing-Programm mit dementsprechend vielen Café-Besuchen und heißen Gewürzweinen verbunden, um uns warm zu halten. Ich kann jedem nur ans Herz legen, sich Tallinns mittelalterlichen Stadtkern bei Gelegenheit einmal anzusehen!

 Nach ungefähr 6 Stunden in der Kälte haben wir es uns in einer mittelalterlichen Gaststätte bei Entenbein an Safransoße und in Bier gegartem Schweinefleisch, Gewürz- und Honigbier gutgehen lassen, uns über das gestelzte Deutsch(!) der Bedienung und den Einfallsreichtum der Besitzer beim Gestalten mittelalterlicher WCs gefreut.

 

Am nächsten Tag war es Zeit für Helsinki. Leider schneite es dermaßen heftig und war der Wind so stark, dass man kaum etwas sehen konnte (geschweige denn den Kopf heben wollte). Außerdem schmerzten die Stiche der Eiskristalle auf der Haut und wegen der Weihnachtsparade samt Elfenchor und Schneekönigin war die weiße Kathedrale, die wir uns hatten ansehen wollen, auch geschlossen. Also haben wir kurzerhand alles Notwendige eingekauft, sind nach Hause gefahren und haben für uns und Sarahs Mitbewohnerinnen lecker gekocht.

Glücklicherweise war das Wetter gestern besser: es hat zwar immer noch geschneit, aber es gab kaum Wind und so haben wir das meiste von dem nachgeholt, was wir Sonntag verpasst hatten.

 

 

 Helsinki ist eine faszinierende Stadt und es war super, Sarah endlich wiederzusehen und sich in aller Ausführlichkeit über unsere - garnicht so verschiedenen - Erfahrungen in den fremden Ländern  auszutauschen.

 

Noch 26 Tage. 26 Tage, die ich zwischen Essays, Klausuren und Präsentationen unbedingt noch voll ausschöpfen will!

 

Vi ses i Tyskland!

 

 

Heimaturlaub

18.11.2008

 

 

Vergangenes Wochenende war ich zuhause (den Billigflügen der Ryanair sei dank), habe meine Familie besucht, das neue Haus besichtigt, abends Freunde auf dem Ratinger Gehöft besucht und mit Alex die Aussicht vom Düsseldorfer Fernsehturm genossen.

 

 

Ich hab's sehr genossen mich zuhause und so willkommen zu fühlen und mich von Max zu verabschieden und wieder ins Flugzeug zu steigen fiel mir trotz der Aussicht auf meine Rückkehr in 5 Wochen wirklich schwer.

 

Morgen kommt mich Sarah in aller Frühe aus Helsinki besuchen! Geplant sind natürlich die obligatorischen Stadt- und Schärenbesichtigungen, sowie eine Baileys-Milchshake-Nacht mit anschließendem Besuch im Jazzclub. Donnerstag eventuell Sauna hier im Haus und Freitag fliege ich dann gemeinsam mit ihr nach Helsinki zurück und sehe mir "ihre" Stadt und Tallinn an. Ich freu mich schon riesig!

 

 Viele liebe Grüße!

 

 

08.11.08

10.11.08

 

 Ich hatte ein fantastisches Geburtstagswochenende!

 Meine Mutter war zu Besuch und wir haben uns das volle Programm gegönnt: essen gehen, klönen, shoppen, brunchen.. das hat so gut getan!
Samstag Abend habe ich mich dann mit allen meinen Freunden hier zum Vorglühen getroffen, die Kapazität unserer Küche getestet und sind dann alle zusammen um halb 12 zur Rockbar gefahren, wo wir noch bis 4 Uhr gefeiert haben.

 Beinahe hätte ich am nächsten Morgen den Brunch verschlafen! Ich hätte nicht damit gerechnet, fernab der Heimat und meiner Freunde und Familie soviel Spaß an meinem Geburtstag zu haben und bin unendlich dankbar hier so viele liebe Menschen gefunden zu haben, die alles getan haben, um mir das Gefühl zu geben, dass es an diesem Abend nur um mich geht.

Ich freue mich schon darauf euch alle bald wiederzusehen und das alles mit euch nachzuholen!

 

 Sogar das Wetter hat mitgespielt, wir hatten blauen Himmel und Sonnenschein! Das hat nur leider nicht lange gehalten, denn heute hatten wir schon wieder einen dieser Tage, an denen ich kein einziges Mal die Sonne gesehen habe. Da es den ganzen Tag bedeckt war und erst aufklarte als die Sonne schon untergegangen war, war es heute mal wieder den ganzen Tag diesig, grau und dunkel.

Ich frage mich ob das Wetter bei euch auch so schlecht ist?

 

 

6. November - Gustav-Adolf-Tag

 

 06.11.2008

 

Wie ich zu meinem großen Bedauern feststellen musste, kennt man hier in Schweden St. Martin und alle mit ihm verbundenen Sing-, Süßigkeiten- und Lichertraditionen nicht. Dafür aber den Gustav-Adolf-Tag:

 

 

"Mit Fähnchen an den Stadtbussen und dem Genuss besonderer Törtchen gedenkt Schweden König Gustav II Adolf, der vor 376 Jahren auf einem Schlachtfeld in Lützen zu Tode kam. Der schwedische König aus dem Geschlecht der Wasa hatte bedeutend zur Festigung der damaligen Großmachtstellung Schwedens beigetragen." (www.sr.se/rs)

 

Überhaupt scheint der Herbst dem Winter nochmal ein paar Tage abgerungen zu haben. Es ist seit ein paar Tagen wieder wärmer und der Himmel strahlend blau. Ideal um mal noch ein Foto von meinem Zimmer zu machen (links: zweite Etage, sechstes Fenster von rechts):

 

Unsere Sauna hier im Haus ist wieder betretbar (s. Foto) und ich plane schon, ab nächstem Montag wöchentlich wieder in die Sauna zu gehen. Das ist genau das richtige bei dem Wetter hier!

Ich war heute schon mit Anna und Brenda in der Sauna, allerdings nicht in unserer, sondern im nächsten Wohnheim. Dort gibt es außer den Saunen auch einen Pool, also haben wir lieb geguckt und behauptet unser Schlüssel würde aus unerfindlichen Gründen nicht funktionieren und wurden reingelassen.

 

 

Da über den Saunen die Wohnheimsbar liegt und sich pfiffige Betreiber gedacht haben, dass saunierende Studenten sicher durstig werden, haben sie kurzerhand ein Rohr- & Seilsystem installiert: Unten neben dem Pool steht ein Tischchen mit einer Preisliste, Block und Stiften. Man schreibt seine Bestellung auf den Zettel und legt ihn mit dem entsprechenden Kleingeld in den Eimer am unteren Ende des Rohrs. Dann zieht man den Eimer mit dem Seil durch das Rohr nach oben in die Bar und kurze Zeit später kommt er mit dem Getränk seiner Wahl wieder nach unten. Keine schlechte Idee!

 

 

Zu guter Letzt: Vielen vielen liebe Dank für die beiden tollen Care-Pakete, die ich aus Deutschland bekommen habe! Jetzt hab ich sicher bis ans Ende meines Aufenthaltes genug Schokomüsli!


 Puss och kram!- Anja

 

 


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